Bundestagswahl: Welche Partei hat das beste Online-Magazin?

Deutschland im Wahlkampf: Welche Partei holt mit ihrem Online-Magazin die meisten Prozente? Das Ergebnis ist überraschender als der Ausgang der Bundestagswahl!

Wir sind eine Agentur für Corporate Publishing und keine Politikjournalisten. Die Bewertungen in unserem Online-Magazin-Schnelltest beziehen sich nicht auf die Inhalte, sind überparteilich und unpolitisch, aber möglicherweise dennoch subjektiv.


Lesen Sie „FDP“ mal rückwärts. Wer sich für das Magazin FDPplus interessiert, landet auf einer Domain ganz ohne Magazin, dafür mit einem versteckten Link zu einem PDF-Online-Reader – mit ein paar Zusatz­verlinkungen.* Für die mobilen Leser gibt es eine Gratis-App für iOS und Android, die einem die nackige PDF-Version aufs Smartphone hievt. Die zu kleinen Texte kann man sowohl in der App als auch im Online-Reader per Fingerklick lesbar machen. Mit diesem Auftritt bleibt die „Digital-first“-Partei unter der Fünfprozenthürde.

Unsere Wertung für die FDP:
 
4,5%

Wie zeigt man, dass einem das eigene Magazin nicht besonders wichtig ist? Indem man ankündigt, dass Anfang August die neue Ausgabe rauskommt „mit Hintergrundinformationen, Fotogalerien, Kampagnenmaterial für die politische Arbeit vor Ort“ – und Anfang September noch alles leer ist.

Alte Ausgaben gibt es als ladeintensives PDF zum Durchblättern. Auf einem großen Desktop ist es gerade noch lesbar, auf Handy und Tablet kann man es noch nicht mal öffnen. Weil es aber angereichert ist mit zahlreichen Links zu Videos und Zusatzmaterial, reicht es gerade so für ein paar Mandate.

Unsere Wertung für die CDU:
 
5,5%

Kein eigenes Magazin, sondern nur eine magazinartige Unterrubrik „Aktuelles“ auf der Website bieten die Grünen. Die Übersicht ist leider nur eine bilderlose, dröge formulierte Liste. Die Artikel dahinter sind aber solide gebaut und warten mit vielen Links und hübschen Extras auf. Ungefährdeter Einzug, aber auch nicht mehr.

Unsere Wertung für Bündnis 90 / Die Grünen:
 
7%

Das Magazin der Linken „Disput“ kann sich der digital Lesende auf zweierlei Weise anschauen: Einmal als PDF, hier „ePaper“ genannt, und in einem Online-Magazin-Layout. Das Online-Magazin ist aber nur nackter Text ohne Links, ohne Extras – und völlig ohne Bilder! Warum die Bilder, die im PDF zu finden sind, im Online-Magazin nicht auftauchen, bleibt das Geheimnis der Partei. Das magazinische Potenzial nicht genutzt.

Unsere Wertung für die Linke:
 
7,5%

Der Überraschungskandidat dieser Wahl heißt „Rote Fahne“. Das Magazin der MLPD ist das einzige überzeugende Magazin einer Sonstigen-Partei. Und ja: Es ist tatsächlich ein ganz echtes Online-Magazin mit übersichtlichen Rubriken. Verschiedene Layoutideen auf der Übersichtsseite sorgen für Abwechslung, zum Beispiel hervorgehobene sogenannte Klartext-Zitate oder ausführliche Dossier-Beiträge. Zu vielen Themen gibt es Bewegtbild. Unerwarteter dritter Platz.

Unsere Wertung für die MLPD:
 
18%

Die Partei bietet ein klassisches Online-Magazin. Die Beiträge sind aktuell, jeden Tag erscheinen mehrere neue. Das Layout des Magazins schafft es, den Leser bei der Stange zu halten: Rechts und unten finden sich immer wieder neue, bildgestützte Empfehlungen zum Weiterlesen. Unter den meisten Artikeln gibt es die Möglichkeit, direkt Kontakt zu den verantwortlichen Politikern aufzunehmen. Magazintechnisch besser als die meisten anderen.

Unsere Wertung für die AfD:
 
22%

Der eindeutige Wahlsieger ist die Online-Version von „Vorwärts“, der 1876 gegründeten Parteizeitschrift der SPD. Es ist das einzige Parteimagazin, das wirklich wie ein Magazin aussieht: große Einstiegsbilder, lesefreundlich sowohl am Desktop als auch auf dem Smartphone, Social-Media-Einbindung. Für die absolute Mehrheit hätte es gereicht, wenn wir noch ein paar Videos gefunden hätten. Fazit: Volkspartei.

Unsere Wertung für die SPD:
 
35%

 


Unsere vorläufige unamtliche Online-Magazin-Bewertung:

 

PS: Weit schicker als die Parteimagazine sind übrigens die Kampagnen-Websites und die der Spitzenkandidaten. Die Parteien greifen dabei oft auf das Stilmittel „Scrollytelling“ zurück. Einige Beispiele sind Angela Merkel, Martin Schulz, Christian Lindner und Cem Özdemir.

*In einer vorherigen Version stand beim FDPplus-Magazin, es sei „völlig ohne Extras“. FDP-Pressesprecher Nils Droste wies uns darauf hin, dass das PDF im Online-Reader einige Links aufweist. Das stimmt. Wir haben das korrigiert und die Gesamtwertung von 2 auf 4,5 Prozent erhöht. 

  • Autor:
    Florian Burkhardt
  • Datum:
    08.09.2017
  • Lesezeit:
    etwa 5 Minuten
  • Artikel bewerten:
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