„Die Herausforderung ist, digitale Inhalte mit echtem Zusatznutzen bereitzustellen“

Uuuuuuund Action: Print kommt in Bewegung. Ein schöner Gedanke, und es funktioniert sogar! Timon von Bargen, Mitgründer von Europas führendem Augmented-Reality-Anbieter appear2media erklärt im Interview, worauf es bei einer Umsetzung ankommt.

Timon von Bargen ist Mitgründer der appear2media GmbH & Co. KG mit Sitz in Hamburg.

Stellen Sie sich vor, der Schreiber des Editorials einer Mitarbeiterzeitschrift erhebt sich, tritt in 3D-Anmutung aus dem Magazin und spricht seinen Leser gezielt an. Oder die neue Produktions­linie, die in einem Fachbeitrag vorge­stellt wird, setzt sich in Bewegung und lässt den Leser Fertigungsprozesse hautnah miterleben. Oder wie wäre es, den gleitschirmbegeisterten Kollegen huckepack auf einem Flug über die Alpen zu begleiten? Wie das funktio­niert, was es bringt und welche He­rausforderungen bei der Umsetzung auf ein Redaktionsteam warten, erklärt Timon von Bargen, Mitgründer des Augmented-Reality-Anbieters appear2media.

Herr von Bargen, ein Magazin mit Augmented Reality in Bewegung zu versetzen, klingt verlockend. Wie funktioniert es?

Wir haben uns das Ziel gesteckt, Augmented-Reality-Technologien skalierbar und automatisierbar zu machen. Dazu haben wir actionList, eine AR-basierte White-Label-App entwickelt. Sie lässt sich schnell und problemlos auf die Corporate-Design-Vorgaben unserer Kunden einrichten und ist dann für die Betriebssysteme iOS und Android sowie in verschiede­nen Sprachversionen verfügbar. Die App bildet die Voraussetzung dafür, zusätzliche Bilder, Videos oder 360-Grad-Ansichten erlebbar zu machen.

Gimmicks sind schön und gut, aber damit alleine gibt sich niemand zufrieden.

Darüber hinaus hat der Leser die Möglichkeit zum Download weiterer Inhalte, die er auf dem Handy speichern und im Offline-Modus wieder abrufen sowie über Social-Media-Kanäle teilen kann. Anders als bei einem QR-Code, muss der User mit der Kamera seines Smartphones nur in die Nähe einer Seite kommen, die mit einem Zeichen für Zusatzcontent gekenn­zeichnet ist, damit die App darauf Bildpunkte erkennt und den hinterlegten digitalen Content anzeigt.

Worin liegt die größte Herausforderung für den Kunden?

Wichtig ist es zum einen, die App zu bewerben, denn das Herunterladen der App durch den Nutzer ist die Haupthürde, die genommen werden muss. Wir raten zu einem Gewinnspiel oder einem anderen Anreiz für den User. Die große Herausforderung besteht darin, digitale Inhalte bereitzustellen, die dem Leser auch einen echten Zusatznutzen bringen. Gimmicks sind schön und gut, aber damit alleine gibt sich niemand zufrieden.

Bewegtbild fasziniert und gut gemachte AR-Anwendungen sind für den Leser ein spannendes Erlebnis.

Wir empfehlen beispielsweise unterschiedliche digitale Inhalte für ein Schwerpunktthema. Grundsätzlich ist eine Eindrittelbelegung des Magazins mit digitalem Content ideal. So vergeht zwischen dem Durchblättern und Scannen der angereicherten Seiten nicht so viel Zeit, dass das Handy in den Stand-by-Modus schaltet. Das regelmäßige Aktivieren ist für den User umständlich.

Timon von Bargen erklärt im Video, wie die actionList funktioniert:

Wie hoch ist der Aufwand für den Kunden?

Viele unserer Kunden produzieren für verschiedene Kanäle ohnehin Videos und haben umfangreiche Fotodatenbanken, auf die sie für Zusatzcontent zugreifen können. Ist das nicht der Fall, muss natürlich der zeitliche und finanzielle Aufwand bedacht werden, der erforderlich ist, um Content extra zu generieren. Hier müssen sich Redaktionen schon bei der Themenfindung Gedanken darüber machen, wie eine Anreicherung eines Themas aussehen könnte und wie sie umsetzbar ist.

ZUM UNTERNEHMEN


appear2media ist Europas führender Augmented-Reality-Anbieter. Das Unternehmen wurde im Jahr 2012 als Start-up von Timon von Bargen, Martin Krotki, Camillo Stark und Vinh-Hieu On gegründet.

Woher weiß ein Kunde, welcher digitale Content seine Leser anspricht?

Am besten beginnt er nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Also digitalen Content hinterlegen und die Zugriffe mit einem von uns speziell entwickelten Tracking-Modul evaluieren. Alternativ kann er das auch mit Google-Analytics machen. Anhand der Information, wie viele User die App heruntergeladen haben und wie häufig ein digitaler Inhalt angeschaut wurde, erkennt er schnell ein Muster und die Vorlieben seiner Leser.

Lohnt sich der doch beträchtliche Mehraufwand?

Ja, sicher. Bewegtbild fasziniert und gut gemachte AR-Anwendungen sind für den Leser ein spannendes Erlebnis. Wir haben Kunden, bei denen eine solche Art der Umsetzung geradezu ideal ist, wie beispielsweise bei Anbietern von Lehrbüchern, um Sprachen zu lernen. Man kann nicht davon ausgehen, dass überall Computer zur Verfügung stehen, aber ein Handy hat jeder. Das Lernerlebnis ist zudem gerade für junge Leute attraktiv.

Dann der Bereich Produktkatalog: Hier haben wir die Möglichkeit, Produkte attraktiv darzu­stellen, den Bestellprozess zu erleichtern und multimediale Inhalte zu generieren, die den Kunden neugierig machen und ihm Zusatznutzen bringen. Alle Produkte, die emotional besetzt sind – also beispielsweise Autos oder Mode – lassen sich mit AR-Anwendungen in Prospekten, Katalogen oder Magazinen noch attraktiver darstellen. Die Gründe, auf AR-Anwen­dungen zu setzen sind vielfältig und wir registrieren seit Jahren ein steigendes Interesse.

Wenn wir nochmal ganz gezielt über Mitarbeiter- oder Kundenmagazine sprechen: Welche Überlegungen sollten Unternehmen im Vorfeld anstellen?

Das Redaktionsteam muss sich auf Mehrarbeit einstellen und bereit sein, diese zu leisten. Das beginnt bei der konzeptionellen Planung, geht über die Produktion und Bereitstellung von digitalem Content und endet bei der regelmäßigen Evaluierung. Dafür bekommen sie ein attraktives Magazin, das dem Leser Interaktion erlaubt und als Brücke von Print ins Digitale dienen kann.

  • Autor:
    Monika Unkelbach
  • Datum:
    16.03.2017
  • Lesezeit:
    etwa 4 Minuten
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