Trends in der Magazinfotografie

Beeinflusst von der Kunst, der Werbung, dem einfachen Handy­schnappschuss und technischen Neuerungen unterliegt die Magazin-Fotografie ständiger Veränderung. Wir stellen sieben aktuelle Trends vor.

Sie bestimmen, ob eine Zeitschrift in die Hand genommen, durch­ge­blättert und gelesen wird: die Fotos, die von Titelseiten strahlen und Artikel illustrieren. Doch nicht nur das Motiv wirkt − auch Farbe, Stil und Technik beinflussen, welche Fotos Leser von Publikums­zeit­schriften, Mitarbeiter- oder Kundenmagazinen gut und interessant finden. Wer die Fototrends kennt, kann Bilder mutiger einsetzen und eine bessere Wirkung erzielen.

1 Geringe Schärfentiefe

Die Schärfentiefe ist der Bereich, der auf dem Foto als scharf wieder­gegeben wird. Ist die Schärfentiefe groß, so sind alle Bereiche des Bildes scharf zu erkennen. Möchte der Fotograf den Blick des Betrachters jedoch auf ein Hauptmotiv lenken, fokussiert er nur auf dieses. Der Vorder- und Hintergrund wird dadurch unscharf und das Motiv besser isoliert.

Die Wirkung: Das Auge des Betrachters richtet sich automatisch auf den scharf gestellten Bereich des Bildes und verliert sich nicht in Neben­sächlichkeiten. Dadurch kann der Betrachter eindeutiger und schneller dessen Schwerpunkt bestimmen und die Intention des Bildes erkennen.

2 Reduzierte Farbigkeit

Ein weiterer Trend in der Magazinwelt sind Porträt- oder People-Aufnahmen mit reduzierten Farben. Diese Fotos sind blasser, als wir es in der Realität gewohnt sind.

Die zurückhaltende Farbigkeit steht auch im Gegensatz zur bunten Fernseh- und Werbewelt. Daher setzen Zeitschriften sie ein, um Personen interessanter und glaubwürdiger wirken zu lassen oder um sich mit ihrem Cover am Kiosk von anderen, überwiegend bunten Magazinen abzuheben. Fotografen verwenden diesen Effekt auch, um Bildern einen Retro-Look zu verleihen, da Fotos mit einer reduzierten Farbigkeit älter wirken.

3 Dunkler Hintergrund

Derzeit öfter zu sehen sind dunkle Hintergründe oder Ränder auf Bildern. Diese führen dazu, dass die Personen in der Mitte des Fotos heller hervortreten und das menschliche Auge von diesen hellen Stellen angezogen wird. Zusätzlich führen die dunklen Hintergründe bei Porträtaufnahmen zu einem stark kontrastierten Gesicht der Protagonisten.

Der Effekt entsteht, wenn Personen vor einem dunklen Hintergrund mit hellem Porträtlicht fotografiert werden. Er wird gezielt genutzt, um Teile des Bildes hervorzuheben.

4 Schwarz-Weiß

Schwarz-Weiß-Bilder sind in Magazinen kein neuer Trend, sondern ein etabliertes Stilmittel. Dennoch sind sie auch in aktuellen Magazinen wieder ein häufig eingesetzter Effekt. Auffällig ist, dass Zeitschriften Schwarz-Weiß-Bilder gerne für Modestrecken nutzen.

Das liegt vor allem daran, dass diese Art der Fotografie immer einen Kunstaspekt vermittelt. Die Nähe zur Kunst sucht die Modefotografie schon seit den 20-er-Jahren. Zudem setzen Schwarz-Weiß-Fotos stets einen starken Kontrast zur Farbigkeit im Rest des Heftes. Der aktuelle Einsatz von Schwarz-Weiß-Fotografie in Publikums­zeitschriften spiegelt auch wider, dass derzeit der S/W-Filter gerne bei privaten Handybildern genutzt wird.

5 Auf alt getrimmt

Mit einem anderen Filter bei der Handykamera lassen sich Fotos leicht auf alt trimmen. Auch Magazine verwenden diesen beliebten Retro-Effekt derzeit häufiger. Damit Bilder aussehen wie aus den 80-er-Jahren kann man ihnen einen leichten Rot- oder Gelbstich verpassen. Eine andere Methode ist es, optisch Abnutzungs­effekte wie Kratzer auf dem Bild zu erzeugen.

Retro-Bilder erzählen eine Geschichte, da sie manche Zielgruppen an Fotos aus der eigenen Bildersammlung erinnern. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich der Betrachter emotional auf das Bild einlässt. Aber auch für Leser ohne persönlichen Bezug zu den 80er-Jahren sind sie interessant, da sie sich von Standardfotos abheben.

6 Unscharf

Ein weiteres Stilmittel, das derzeit in der Mode­fotografie zu sehen ist, sind unscharfe Bilder. Fotografen setzen Bewegungs­unschärfe ein, um Mode­strecken künstlerisch zu inszenieren.

Unscharfe Bilder kommen jedoch auch in Neon und Nido vor. Bei diesen professionellen Bildern wird der Handyschnappschuss imitiert. Die verwackelten Fotos sehen aus, als hätte sie ein Hobbyfotograf schnell „im Vorbeigehen“ geschossen. Da sie die Erwartungs­haltung des Betrachters stören, lenken sie den Fokus des Lesers auf das Foto. Sie können aber beispielsweise auch als Stilmittel eingesetzt werden, wenn im Artikel das Thema Unsicherheit oder ein nicht klarer Sachverhalt behandelt wird.

7 Reflexionen

Früher versuchten Fotografen sichtbare Reflexionen von Gegenlicht im Linsensystem mit allen Mitteln zu vermeiden, doch im Moment liegen Blendenflecke voll im Trend. Ein Sunflare-Effekt entsteht, wenn man gegen die Sonne fotografiert. NEON zeigt jedoch, dass sich Blendeflecke auch prima bei Blitzaufnahmen gegen Scheiben oder Spiegel erzeugen lassen.

Der Effekt: Die Bilder sehen aus wie der spontane Handyschnappschuss von Freund oder Freundin. Sie fallen auf, da sie mit gängigen Kon­ven­tionen brechen und verleihen den Bildern eine künstlerische Note.

Fazit: Gegensätzliche Trends

In der Magazinfotografie gibt es nicht nur eine Richtung, sondern ganz viele, teilweise auch gegensätzliche Trends. Welche Effekte Magazine einsetzen, hängt hauptsächlich von Thema, Verlag und Zielgruppe der Zeitschrift ab. Während sich Zeitschriften wie View oder Beef! hauptsächlich auf die beste Inszenierung professioneller Fotografie konzentrieren, lehnen sich Magazine, die sich an ein jüngeres Publikum richten, eher an einfache Handyfotos an, die gezielt unprofessionell aussehen.

DIE MAGAZINE
Für den Artikel habe ich mir die Kiosk-Magazine Beef!, GEO, GQ, Missy Magazine, myself, National Geographic, Neon, Nido, Numéro Homme, Stern und View angeschaut. Die Zeitschriften stammen aus unterschiedlichen Verlags­häusern und decken ein breites Themenspektrum ab.
  • Autor:
    Tina Hofmann
  • Datum:
    22.02.2016
  • Lesezeit:
    wenig Text, viele Bilder
  • Artikel bewerten:
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