„Man findet für jeden Bereich einen Influencer“

Constantin Schiller und Pascal Hof sind Spezialisten für Influencer Marketing. Wir haben mit den Inhabern der Agentur SchillerHof übers „Influencen“ im Allgemeinen und dessen Möglichkeiten für den B2B-Bereich im Besonderen gesprochen.

Was macht eigentlich ein Influencer und wie funktioniert die Einflussnahme?

Schiller: Wenn sich jemand für ein Thema interessiert, hat er sich früher ein Magazin dazu rausgesucht. Jetzt sucht er stattdessen im Netz nach dem Thema und findet Leute, die darüber schreiben und Fotos oder Videos dazu machen. Er schaut sich diese Inhalte an. Dadurch nimmt die Person, die die Inhalte postet, automatisch Einfluss auf den Konsumenten. Man kann aber unterscheiden: Es gibt Influencer, die einfach über Themen berichten, die sie interessieren – sei es Sport, Innenarchitektur oder Minimalismus. Die haben Follower, die sich ebenfalls für das Thema interessieren. Da läuft die Beeinflussung auch gegenseitig ab.

Constantin Schiller hat selbst fast 40.000 Follower auf Instagram.

Und dann haben wir die, die vielleicht gar keine Influencer sein wollen, aber über ihre Popularität Leute beeinflussen. Man kann also unterscheiden zwischen Influencern, die beeinflussen möchten und dafür oft auch eine Vergütung bekommen, und solchen, die es unbewusst machen.

Woher bekomme ich die richtigen Influencer für mein Unternehmen?

Schiller: Wichtig ist, dass Unternehmen diejenigen auswählen, die für das jeweilige Produkt sinnvoll sind – also Leute, die sich ohnehin schon mit dem Thema auseinandersetzen. Aber natürlich ist es auch denkbar, beispielsweise einen Künstler zu finden, der ein Kunstwerk für mein Unternehmen entwirft und dann unter dem Aspekt der Kooperation mit dem Unternehmen darüber schreibt. Was er dann auf seinen Kanälen ausspielt, ist, wenn man so will, nur teilbewusste Einflussnahme, die aber den Kreis des Publikums erweitert.

Wenn zum Beispiel ein Architekturfotograf für Nikon nach Palästina reist und da Gebäude fotografiert, interessieren sich manche nicht nur für die Fotos, sondern wollen dann auch wissen, welche Kameraeinstellungen er genommen hat und welches Modell – und Nikon bekommt Aufmerksamkeit.

Pascal Hof weiß, wo sich Influencer finden lassen. (Fotos: Alex Dietrich)

Hof: Im Bereich B2B kann man sich zum Beispiel auf Fachmessen umschauen bei den Leuten, die als Speaker für bestimmte Bereiche auftreten, oder bei Business-Bloggern.

Bieten sich die eigenen Mitarbeiter auch als Influencer an?

Schiller: Mit dem Einsatz von Corporate Influencern können Unternehmen verschiedene Bereiche nach außen tragen, die sonst niemand sieht. Dieser Blick hinter die Kulissen ist authentisch und spricht viele an. Ich denke, schlaue Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter darin.

Welches sind die wichtigsten Kanäle und wie unterscheiden sie sich?

Schiller: Der wichtigste Kanal ist Instagram, der sich ja gerade auch sehr wandelt mit dem Instagram-TV oder IGTV, also dieser Funktion, mit der man lange Videos hochladen kann. Die Entwicklung geht auch bei Influencern in Richtung Video. Die Leute sind einfach gesättigt von normalen Fotos, wollen schnelle Bewegtbild-Inhalte sehen und bleiben darauf hängen. Aber auch YouTube ist nach wie vor stark und wird es bleiben. So langsam kommt auch Twitch. Diese Plattform wird momentan noch hauptsächlich von Videospielern genutzt, die beim Spielen live beobachtet werden können. Aber das Thema Livestreaming wird insgesamt wichtiger.

Gerade bei B2B hat man oft Produkte, die auf den ersten Blick nicht gerade sexy wirken. Muss denn jedes Unternehmen zusehen, dass es präsent ist?

Hof: Der Trend geht mehr und mehr dahin, dass Leute sich Informationen zu ihren Interessensgebieten über andere Menschen verschaffen. Wir sind im B2B-Bereich sicher noch ganz am Anfang. Es gibt aber auch Meinungsführer auf LinkedIn. LinkedIn vergibt zum Beispiel an besonders einflussreiche Business-Persönlichkeiten den Influencer-Status. Da hat man Spezialisten, die in gewissen Branchen oder zu bestimmten Fachthemen tatsächlich einen sehr großen Personenkreis erreichen. Das wäre Influencer-Marketing im B2B-Bereich.

Zur Agentur

Constantin Schiller (Influencer) und Pascal Hof (Marketing Experte) haben die Agentur SchillerHof im Sommer 2018 gegründet. Sie unterstützen Unternehmen und Agenturen dabei, passende Influencer zu finden und deren Aktivitäten erfolgreich einzusetzen. Sie selbst tummeln sich auf Twitter, Facebook, Instagram oder unter www.agentur-schillerhof.com.

Sind denn viele B2B-Unternehmen an Influencer Marketing interessiert?

Hof: Die Nachfrage ist extrem. Wir merken, dass die Unternehmen da einsteigen und neue Wege im Marketing beschreiten möchten. Eine Anzeige in einem Fachmagazin hat eben nicht annähernd die Authentizität und Glaubwürdigkeit, wie wenn ein Fachmann auf LinkedIn, Youtube oder Instagram darüber berichtet. Vertrauen lautet hier das Schlagwort. Schließlich geht es um längerfristige Investitionen, da sind Empfehlungen immens wichtig.

Gibt’s denn auch Branchen, für die sich gar kein Influencer finden ließe?

Schiller: Nein. Es gibt für jeden Bereich potenzielle Influencer. Es gibt ja auch Rasenfetischisten, die sich den ganzen Tag mit verschiedenen Rasensorten, Düngemittel und dergleichen für ihren Garten beschäftigen und darüber berichten möchten. Und es gibt spätestens jedes Frühjahr zum Start der Gartensaison viele Menschen, die sich dafür interessieren und dann auf das Urteil dieser Spezialisten vertrauen. Das sehe ich bei mir selbst: Wenn ich zum Beispiel Software am Rechner installiere, gehe ich auf YouTube und lasse mir von einem Fachmann zeigen, wie das geht.

  • Autor:
    Eveline Blohmer
  • Datum:
    23.10.2018
  • Lesezeit:
    so kurzweilig wie ein Besuch auf Instagram
  • Artikel bewerten:
    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
    Loading...