Was wäre, wenn ich nicht wäre?

Das ist eine Frage, die sich jede Website einmal stellen sollte. Denn jede Website braucht einen Grund, dass es sie gibt: ihre Ziele. Und wer keine Ziele hat, weiß auch nicht, ob er erfolgreich ist mit dem, was er macht. Doch wie findet man Ziele für eine Corporate Publishing Website?

Professionelle Websites kosten Geld und brauchen daher eine Existenzberechtigung. Nachrichtenportale, Online-Handel, Seiten von Unternehmen, Gemeinden, Organisationen – sie werden an ihrem Erfolg gemessen; spätestens dann, wenn der Controller anklopft und fragt, warum denn eigentlich so viele schöne Euros in Gestaltung und Pflege der Website fließen.

Websites brauchen Ziele

Doch wann ist eine Seite erfolgreich? Wenn sie ihre Ziele erreicht. Nun gut, doch was sind denn überhaupt die Ziele? Die Frage ist keineswegs banal. Selbst im Corporate Publishing ist es nicht selbstverständlich, dass es definierte Website-Ziele gibt.

Oder die Ziele, die vor Jahr und Tag gefasst wurden, passen längst nicht mehr zur Website. Websites entwickeln sich weiter, werden anders genutzt und mit anderen Inhalten gefüllt. Im Alltagsgeschäft vergessen die Online-Verantwortlichen dann oft, Zieldefinitionen anzupassen. Und wenn dann die Frage nach dem Erfolg der Seite auftaucht, stehen sie mit leeren Taschen da: keine Ziele, kein Erfolg.

Die Existenzfrage stellen und Ziele finden

Foto | JesusccastilloWie also finde ich meine Ziele? Als Ausgangsüberlegung hilft es, wenn Online-Verantwortliche die Existenz ihrer Website infrage stellen: Was wäre, wenn es unsere Website nicht mehr gäbe. Und zwar ab sofort. Zack.

Je nach Website fällt die Antwort mehr oder weniger leicht. Ein Online-Shop verkauft nichts mehr. Ziel: Umsatz machen. Ein Nachrichtenportal verdient nichts mehr mit Werbung. Ziel: Werbeflächen verkaufen.

Service-Seiten wie etwa die des städtischen Bürgerbüros bieten keine Infos oder Dienstleistung mehr und die Menschen müssen wegen allem anrufen oder vorbeikommen – verärgerte Kunden und Mitarbeiter, die sich im Kleinkram verlieren. Ziel: Mitarbeiter entlasten.  Hilfsorganisationen bekommen keine Online-Spenden mehr. Ziel: Spenden sammeln.

OK, kapiert.

Und wie ist das jetzt bei Corporate Publishing?

Nicht immer sind Website-Ziele so offensichtlich. Firmen verfolgen meist weniger konkrete, kommerzielle Ziele mit einem Unternehmens-Blog (wie diesem hier) oder Online-Magazin für Kunden oder Mitarbeiter. Da geht es um Imagepflege, Kundenkontakt, journalistisch verpackte Produktinformation und Mitarbeiterbindung. Das heißt aber nicht, dass die Website keine konkret formulierten Ziele haben kann.

Besonders hier hilft es, die Existenzfrage zu stellen. Was würde passieren, wenn Ihr Online-Kundenmagazin einfach weg wäre?

  • Regelmäßige Leser finden ihr Angebot nicht mehr. Wollen Sie viele treue Leser haben?
  • Suchmaschinennutzer gehen leer aus oder landen bei der Konkurrenz. Wollen Sie zu bestimmten Suchbegriffen gefunden werden?
  • Leser des Print-Kundenmagazins können nicht mehr auf Zusatzmaterial zugreifen, zum Beispiel auf Videos oder Grafiken. Wollen Sie, dass das Online-Magazin ein Print Magazin unterstützt?
  • Ihre Mitarbeiter informieren sich nicht mehr online über die eigenen Produkte, mailen Kollegen an oder arbeiten ohne Info weiter. Soll das Magazin auch die eigenen Mitarbeiter mit schnellen Informationen versorgen?
  • Der Außendienstler kann potenzielle Kunden nicht mehr auf Best-Practice-Artikel verweisen. Soll das Magazin das Verkaufsgespräch unterstützen?
  • Der Austausch in den Kommentarspalten wäre beendet. Soll Ihr Magazin zu Diskussionen anregen?
  • Kunden kontaktieren Ihr Unternehmen nicht mehr via Online-Magazin. Wollen Sie, dass die Website die Kontaktaufnahme zu Vertrieb oder Service erleichtert?

Das sind nur wenige Beispiele möglicher Zielfragen an Websites.

Der erste Schritt ist getan

Es ist normal, dass bei der Existenzfrage mehr als ein Ziel herauskommt. In den nächsten Schritten wird es daher darum gehen, Ziele zu gewichten und zwei, drei in den Fokus zu nehmen.

Hat man erst die Ziele, kann man beginnen, sinnvolle Webanalytics-Parameter zu definieren, um sie zu überprüfen. Und mit diesen Ergebnissen evaluiert und optimiert man die Website.

Eine lange Wanderung hält nur durch, wer sein Ziel kennt.
Alles andre ist Bummeln.

  • Autor:
    Florian Burkhardt
  • Datum:
    05.12.2013
  • Lesezeit:
    etwa 3 Minuten
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